Schon wieder eine Firma. Schon wieder Geld für Computer. Schon wieder dieses jetzt klappts schon.
Du hast die anderen Versuche miterlebt. Du hast nichts gesagt — aber ich habe es gesehen. Die Abende, an denen ich schlecht geschlafen habe. Das Geld, das weg war. Den Stolz, der weh tat.
Und ja: ich gebe gerade wieder Geld aus. Für Computer-Werkzeuge. Für sogenannte Künstliche Intelligenz. Ich verstehe, dass du skeptisch bist.
Das wäre ich auch.
Deshalb dieser Brief. Nicht um dich zu überreden. Nur damit du weißt, was diesmal anders ist.
Adrian: 34 % (Geschäftsführer). Anna-Maria: 33 %. Ralph: 33 %. Mike, Anna-Marias Lebensgefährte, arbeitet als Freelancer mit. Es gehört uns allen — schwarz auf weiß, beim Notar.
Die Leute zahlen monatlich — wie du Netflix zahlst. Jeden Monat aufs Neue. Das ist kein einmaliger Verkauf. Das ist ein Brunnen.
Was ich früher mit zehn Mitarbeitern hätte machen müssen, machen jetzt Computer. Sie schlafen nie. Sie werden nicht krank. Sie kosten weniger als ein einziges Gehalt.
Ich baue Werkzeuge. Aber nicht aus Holz oder Metall — aus Code. Aus Computer-Sprache.
Das erste Werkzeug heißt Tantu. Es hilft Menschen, die ein Spiel spielen — ein Spiel mit Würfeln und Geschichten. Ähnlich wie Mensch-ärgere-dich-nicht, nur dass die Spieler eine ganze Welt erfinden, jeden Abend neu.
Diese Spieler sind frustriert. Sie müssen für jede Spielrunde stundenlang vorbereiten. Tantu nimmt ihnen diese Arbeit ab.
Und sie zahlen mir dafür jeden Monat ein paar Euro. Mehr nicht.
Aber Maria — Tantu ist nur der Anfang.
Eine Werkstatt baut viele Werkzeuge.
Schon fast fertig — oder schon im Einsatz:
Spielleiter-Software. Geht bald live. Das ist das Werkzeug, von dem ich am meisten erzähle.
Sprachgesteuerte Gutachten-App für Sachverständige. 4 von 5 Phasen fertig — Phase 5 ist der Marktstart.
Familienorganisations-App. Läuft bereits — bei uns und bei Anna-Maria und Mike.
Und dann ist da eine Liste. Konkrete Ideen, alle dokumentiert:
Wir bauen keine Firma um Tantu. Wir bauen eine Werkstatt, die viele Werkzeuge baut.
Die meisten Software-Anbieter da draußen sind teuer, überladen, veraltet. Wir können das besser. Schneller. Günstiger. Sicherer.
Auf der Welt gibt es fünfzig Millionen Menschen, die dieses Spiel spielen. Fünfzig. Millionen.
Ich brauche davon nicht alle. Ich brauche nicht mal eines von hundert.
Das ist kein Verkauf, der vorbei ist.
Das ist ein Brunnen.
Solange das Werkzeug gut ist, fließt es weiter.
Drei Familienmitglieder mit notariellen Anteilen. Klare Rollen.
Mike, Anna-Marias Lebensgefährte, arbeitet als Freelancer mit — ohne Anteile, aber mit voller Energie. Sonderaufgaben, Geschäftliches.
Und dann sind da die Maschinen. Die Künstliche Intelligenz. Die arbeitet für uns wie dreißig Menschen. Tag und Nacht. Ohne Urlaub. Ohne Krankenstand.
Das ist es, wofür das Geld geht.
Nicht für Spielzeug. Für Mitarbeiter, die nicht schlafen.
Hier sind die Zahlen — alle. Ehrlich:
Das ist alles. Keine Werkstatt-Miete. Kein Lager. Keine Maschinen, die abgeschrieben werden. Plus einmalig: ein günstiges Tablet pro Person.
Adrian bekommt momentan Bürgergeld. Er beantragt jetzt Einstiegsgeld + Integrationsförderung — etwa + 300 € im Monat vom Staat, bis das Geschäft trägt.
Anna-Maria und ich machen es nebenbei. Per Werkvertrag. Keiner kündigt seinen Job.
Niemand verschuldet sich. Im schlimmsten Fall verlieren wir ein paar Monate Computermiete.
Das ist es, was diesmal anders ist.
Es ist gar kein Risiko mehr.
Maria — je mehr ich unterwegs bin, desto mehr sehe ich. Die alten Software-Anbieter sind teuer, überladen, veraltet.
Wir können das besser. Schneller. Günstiger. Sicherer.
Und weil unsere Kosten so klein sind, ist das kein Wagnis mehr. Es ist eine Wette mit überschaubarem Einsatz und sehr großer Chance.
Es kann auch schiefgehen.
Aber dann verlieren wir ein paar Monate.
Kein Jahr. Keine Werkstatt. Keine Existenz.
Ich brauche nicht, dass du das alles verstehst.
Du musst nicht wissen, wie ein Server funktioniert. Du musst nicht lernen, was Künstliche Intelligenz ist. Du musst dein Handy nicht ändern.
Ich brauche nur eines: dass du mir zutraust, dass ich diesmal weiß, was ich tue.
Und wenn ich abends spät noch am Computer sitze und mit der Maschine rede — dass du weißt:
Das ist Arbeit. Echte Arbeit. Sie sieht nur anders aus als früher.
Mehr will ich nicht von dir. Kein Ja. Kein Begeistert-Sein. Nur ein leises okay.
Den Rest mach ich.
Für all die Jahre.
Auch die schwierigen.
Besonders die schwierigen.